Wenn Kinder das Sagen haben
„Wir helfen“ unterstützt die 17. Auflage der Kinderstadt „Bärenhausen“ in Bernburg. Gruppen können sich noch bis zum 30. Juni anmelden.
Von Ariane Keller
Bernburg rüstet sich für einen ganz besonderen Sommerferienausflug: Vom 8. bis 16. Juli (außer am Wochenende) entsteht erneut die Kinderstadt „Bärenhausen“ auf dem Gelände der Stiftung Evangelische Jugendhilfe. Wie in jedem Jahr nehmen die Kinder in „Bärenhausen“ das Leben selbst in die Hand.
Eine eigene kleine Welt
Zur inzwischen 17. Auflage werden wieder Tausende junge Bürgerinnen und Bürger im Alter von sechs bis 14 Jahren erwartet. Am Eröffnungstag um 10 Uhr wird ganz traditionell durch Bernburgs Oberbürgermeisterin Dr. Silvia Ristow das rote Band durchschnitten. Dahinter warten ungeduldig die ersten Kinder, bereit, ihre Stadt zu erobern.
Was sie dort erwartet, ist weit mehr als ein Ferienangebot. „Bärenhausen“ ist eine eigene kleine Welt mit Rathaus, Polizei, Krankenhaus, Post, Kaufhaus und sogar eigener Zeitung. Insgesamt 51 Gewerke stehen in diesem Jahr zur Auswahl – von bewährten Klassikern bis hin zu neuen Ideen. Ganz neu dabei sind eine Kleiderbörse und die Goldgrube. Beide gehen auf Wünsche der Kinder zurück, die im vergangenen Jahr demokratisch abgestimmt wurden.
Der Bär darf in der Kinderstadt "Bärenhausen" natürlich nicht fehlen.
Credit: Luisa Liebefinke/Stiftung Evangelische Jugendhilfe
Dass Demokratie in „Bärenhausen“ nicht nur ein leeres Wort ist, zeigte im vergangenen Jahr eine Geschichte, die es sogar in die Schlagzeilen schaffte – sowohl in der Kinderstadt-Zeitung als auch in der MZ.
Ein frisch gewählter Bürgermeister, der mit dem Versprechen „Keine Steuern mehr“ ins Amt gekommen war, wurde kurze Zeit später seines Postens enthoben. Der Grund: gebrochene Wahlversprechen und der Griff in die Stadtkasse. Es folgten Anzeige, Gerichtsverhandlung und schließlich die demokratische Abwahl.
Für die Mädchen und Jungen war das eine eindrückliche Lektion. Zu schön klingende Versprechen sollten hinterfragt werden, und Fehlverhalten bleibt nicht ohne Konsequenzen.
Solche Erlebnisse machen den besonderen Wert des Projekts aus. In „Bärenhausen“ wird Politik nicht erklärt, sondern erlebt. Kinder gründen Parteien, entwerfen Programme, diskutieren und entscheiden gemeinsam. Gleichzeitig spielen Werte wie Fairness, Gemeinschaft und Toleranz eine zentrale Rolle. Das diesjährige Motto „Bunt wie ein Regenbogen“ steht sinnbildlich für diese Vielfalt.
Helfer aus 14 Nationen
Auch hinter den Kulissen ist die Kinderstadt ein Großprojekt: 85 jugendliche Helfer aus 14 Nationen begleiten die Kinder durch den Alltag, unterstützen in den einzelnen Gewerken und sorgen dafür, dass die kleine Stadt reibungslos funktioniert.
Ergänzt wird das Team durch zahlreiche Partner, darunter die Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz oder die Polizei des Salzlandkreises. Auch der MZ-Verein „Wir helfen“ unterstützt die Kinderstadt mit 4.000 Euro. „Die Unterstützung von ‚Wir helfen‘ ist von unschätzbarem Wert für uns. Der Verein hat in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen, dieses Projekt zu einem großen Erfolg zu machen und vielen Kindern damit Glücksmomente beschert“, bringt es Kinderstadt-Leiterin Luisa Liebefinke auf den Punkt.
Bis zu 2.400 Kinder können in diesem Sommer „Bärenhausen“ erleben. Täglich verwandelt sich das Gelände in eine lebendige, bunte Stadt voller Ideen, Abenteuer und Begegnungen.
Die Teilnahme ist dabei unkompliziert möglich: Einzelne Kinder können ohne Anmeldung vorbeikommen und sich vor Ort im Einwohnermeldeamt von „Bärenhausen“ registrieren. Für Gruppen ab fünf Kindern ist eine Voranmeldung (noch bis zum 30. Juni möglich) erforderlich, wobei an einzelnen Tagen noch Restplätze zur Verfügung stehen. Der Eintritt beträgt fünf Euro pro Tag, eine Wochenkarte für den gesamten Zeitraum ist für 25 Euro erhältlich.
Und vielleicht sorgt auch in diesem Jahr wieder eine ungewöhnliche Geschichte für Gesprächsstoff. In „Bärenhausen“ ist schließlich alles möglich – solange die Kinder das Sagen haben.